Aggertalbahn (Luhmer Grietche)

Diese Seite möchte daran erinnern, dass es einst eine funktionierende Regionalverbindung als eingleisige Eisenbahnstrecke namens Aggertalbahn von Siegburg nach Overath gab – das im Volksmund sogenannte „Luhmer Grietche“.

Die Strecke ist nach dem Fluss Agger benannt, dessen Lauf sie über weite Teile folgt. Die ursprüngliche Strecke von Siegburg, als Abzweig der Siegstrecke, über Lohmar und Wahlscheid (wie auch der Streckenabschnitt zwischen Dieringhausen und Olpe) ist zwischenzeitlich stillgelegt. Heute wird die Strecke von Köln aus über Rösrath bedient.

Anhand eines chronologischen Zeitablaufs wollen wir die Möglichkeit geben, eine kleine Zeitreise zu unternehmen.

Führerstandsmitfahrt zwischen Siegburg und Lohmar

ECRS-Sonderfahrt auf der Strecke des Luhmer Grietche von Siegburg bis Lohmar und zurück im Rahmen des Nahverkehrstages am 6. Oktober 1991 (Hinweis: das Video hat keinen Ton).

Rückblick – wie alles begann…

30.04.1882Die Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft erhält die Genehmigung zum Bau der Aggertalbahn Siegburg – Ründeroth – Olpe.
15.10.1884Eröffnung des ersten fertiggestellten Teilstücks Siegburg – Overath – Ründeroth. Der aus Deutz kommende Eröffnungszug verläßt um 9.30 Uhr den Siegburger Bahnhof. Planmäßig verkehren nun vier Personenzugpaare.
01.05.1887Das zweite Teilstück geht in Betrieb: Ründeroth – Dieringhausen – Derschlag.
01.02.1890Inbetriebnahme Anschluß des heutigen „Siegwerkes“.
1894Im Bahnhof „Siegburg-Nord“ werden 48.425 Fahrkarten verkauft.
1895Die Bahn wird der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt unterstellt.
01.08.1896Inbetriebnahme des dritten Streckenteils: Derschlag – Bergneustadt. Planmäßig verkehren sechs Personenzugpaare.
1897Ab Kilometer 0,7 (Abzweig von der Siegstrecke in Siegburg) wird die Strecke der Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld unterstellt.
01.09.1903Mit dem vierten und letzten Teilstück von Bergneustadt bis Olpe hat die Strecke ihre volle Länge erreicht. Planmäßig verkehren nun 7 Personenzugpaare.
24.10.1906Wegen mangelnden allgemeinen Bedürfnisses wird ein Antrag auf einen Haltepunkt im Lohmarer Wald abgelehnt.
1907Umbauten am Bahnhof „Siegburg-Nord“.
1901 – 1940Einsatz von Dampfloks der Baureihe T9.3 (spätere Baureihe 91).
01.08.1910Mit der Eröffnung der neuen Verbindungsstrecke von Overath über Rösrath nach Köln verliert die Teilstrecke Siegburg – Overath ihre überregionale Bedeutung. Durchgehende Züge ins Oberbergische werden nicht mehr angeboten, da die Fahrzeit Köln – Siegburg – Oberberg zu unattraktiv ist.
Sept. 1910Laute Klagen der Siegburger Geschäftsleute: Die Kunden aus dem Oberbergischen bleiben aus.
1911 – 1913Verlegung des Lokbahnhofes Siegburg in den Stadtteil Deichhaus. Dort werden künftig die Dampflokomotiven gewartet und für die Rückfahrt mit Wasser versorgt und bekohlt.
1912Um- und Erweiterungsbau am „Nordbahnhof“.
22.11.1918Aus der „Königlichen“ wird die „Eisenbahndirektion“ Elberfeld.
06.07.1922Erneute Umbenennung der zuständigen Direktion. Künftig nennt man sich „Reichsbahndirektion“.
1945 –
13.05.1949
Wieder durchgehende Züge bis ins Oberbergische. Grund ist der zerstörte Tunnel bei Hoffnungstal. Die verkehrenden Züge bis Overath beginnen und enden nun in Troisdorf.
03.05.1949Die Bahnbuslinie Siegburg – Overath – Untereschbach wird genehmigt.
14.05.1949Neueröffnung des Hoffnungstaler Tunnels.
15.05.1949Fahrplanwechsel: Zwischen Siegburg und Overath verkehren nur noch lokale Züge. Die bisher vom Betriebswerk (Bw) Dieringhausen aus eingesetzten Schlepptenderlokomotiven P8 (38.10) und G8.1 (56.20) werden durch Tenderloks der Baureihe 93.5 des Bw Bensberg ersetzt.
Juli 1950Die Bundesbahndirektion Wuppertal informiert die „betroffenen“ Kommunen Siegburg, Lohmar, Wahlscheid und Overath von der beabsichtigten Stillegung der Kursbuchstrecke 240a Siegburg – Overath für den Personenverkehr.
21.05.1951Das Betriebswerk Dieringhausen übernimmt wieder die Bespannung der Züge. Zum Einsatz gelangen nun die Baureihen 56.20 und 86.
Mai 1953Zum Sommerfahrplan dünnt die BD Wuppertal den Fahrplan weiter aus. Gut besetzte Züge wie der N2032 werden ersatzlos gestrichen, während schwach frequentierte Züge, wie der N2030 im Fahrplan verbleiben.
23.05.1954Der planmäßige Personenverkehr zwischen Siegburg und Overath wird eingestellt. Die Stillegungsgenehmigung wird zunächst auf zwei Jahre befristet. Man will sich die Möglichkeit einer eventuellen Wiederaufnahme des Personenverkehrs offen halten. Insbesondere für den Fall, dass die Buslinie den Anforderungen nicht genügt
12.03. –
08.04.1956
Wegen Straßen bauarbeiten wird Straßenersatzverkehr“ zwischen Overath und Siegburg mit einer Schienenbusgarnitur gefahren. Aufkommende Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme des planmäßigen Verkehrs werden mit dem Argument abgetan, dass die Belegung der Züge bei weitem nicht so gut war, wie die der Busse.
22.05.1956BD Wuppertal beantragt die endgültige Genehmigung zur Stillegung des Personenverkehrs.
28.8.1957Das Bundesverkehrsministerium genehmigt die beantragte Stillegung des Personenverkehrs, aber wieder nur befristet, diesmal bis 1960.
26.11.1959Nächster Vorstoß der Bahn in Sachen Stillegung des Personenverkehrs. Diesmal klappt es endgültig.
20.04.1960Schließung des Bahnhof Wahscheid. Damit ist der Streckenteil Donrath – Overath ohne Verkehr.
12.11.1960Das Stillegungsverfahren für den Güterverkehr zwischen Lohmar und Overath wird eingeleitet.
01.05.1962Stillegung im Gesamtverkehr zwischen Lohmar und Overath. Gleichzeitig wechselt der verbleibende Streckenteil Siegburg – Lohmar in den Zuständigkeitsbereich der BD Köln.
ab Nov. 1962Abriß der Gleise zwischen Lohmar und Overath. Der Abbauzug wird von einer P8 (Baureihe 38) geführt.
01.08.1971Schließung der Phrix-Werke in Siegburg. Die dort eingesetzten Dampfspeicher- bzw. Dieselloks rosten noch einige Jahre auf dem betriebseigenen Gleisanschluß vor sich hin.
Fast zeitgleich wird der zweite tägliche Güterzug nach Lohmar gestrichen. Eingesetzt werden mittlerweile Loks der Baureihe 55.
Herbst 1971Das Bahnhofsgebäude in Donrath wird abgerissen.
30.09.1972Die letzte G8.1 (Baureihe 55) befördert einen Güterzug nach Lohmar. Ab dem 2.10.1972 übernehmen V60 (BR 260) den Übergabedienst (später Kleinloks sowie V90 und Vi 00.10).
Feb. 1973Gleiserneuerungsarbeiten im Stadtbereich Siegburg.
Bauzuglok ist die 050 442.
13.07.1977Mit zwei Doppelstockwagen wird der „Dampfer“ 44 442 als Denkmal in Lohmar aufgestellt. Zwei Wochen vorher wurde die Dampflok von Gelsenkirchen-Bismark dorthin gebracht.
März 1979Nach dem Tod des Eigentümers wird die Denkmalgarnitur an Ort und Stelle zerlegt.
1981Der „Nordbahnhof“ wird unter Denkmalschutz gestellt.
1982Der „Nordbahnhof“ geht in Privatbesitz über und wird mustergültig renoviert.
1985Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der DB mit dem Ergebnis, dass die Strecke bis Lohmar weiterhin betrieben werden soll. Noch im selben Jahr werden fast 900.000 DM in Gleiserneuerungsarbeiten im Gebiet von Lohmar investiert.
14.05.1986Nach langer Zeit verkehrt wieder einmal ein Personenzug nach Lohmar. Die dortige Grundschule wird mit einer V 9O und drei Silberlingen im Rahmen eines Schulausflugs per Sonderzug zunächst von Eitorf nach Siegburg und dann schließlich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung weiter nach Lohmar heimgefahren.
Dez. 1986Im „Waldteil“ wird die Strecke komplett erneuert.
Jan. 1988Erste „laute“ Überlegungen der DB die Strecke nun doch stillzulegen. Die hohen Investitionen der letzten Jahre drücken die Wirtschaftlichkeit.
März 1988Der Siegburger Planungsausschuß hat die Zeichen der Zeit erkannt. Er beschließt auf der Trasse des „Luhmer Grietche“ einen Fahrradweg anzulegen.
18.03.1988Ende des planmäßigen Betriebes nach Lohmar. Vorübergehend wird der Gesamtbetrieb aus „technischen Gründen“ eingestellt. Ab Mitte März wird nur noch bei Bedarf ins gefahren.
Juli 1988Erste Ausarbeitung des Eisenbahnclub Rhein-Sieg zum Erhalt der Strecke. Ein erster Erfolg stellt sich nach kurzer Zeit ein. Die DB folgt dem Clubvorschlag und setzt ab sofort eine Kleinlok der Leistungsgruppe II ein.
24.09.1988Nach über 30 Jahren – wenn auch nur für einen Tag – wieder öffentlicher Personenverkehr auf der Strecke:
Sonderpendelfahrten des Eisenbahnclub Rhein-Sieg zwischen Siegburg und Lohmar mit einer Schienenbusgarnitur.
19.10.1988Abriß des Posten 1 trotz Denkmalantrag und Denkmalwürdigkeit.
20.06.1989Einleitung des Streckenstillegungsverfahrens durch die Bundesbahndirektion Köln.
Aug. 1989Zweite Ausarbeitung des Eisenbahnclub Rhein-Sieg zur Aggertalbahn. Kernpunkt ist diesmal ein Ausbau der Strecke zur Stadtbahn als Verlängerung der Linie „66“ Bonn – Siegburg unter Beibehaltung des Güterverkehrs.
19. und
20.08.1989
Ausstellung des Eisenbahnclub Rhein-Sieg im Siegburger Nordbahnhof: „Rund um die Aggertalbahn Siegburg – Lohmar – Overath“.
31.10.1989Der Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises lehnt die Stillegung des „Luhmer Grietchens“ ab.
Dez. 1989Der Regierungspräsident in Köln lehnt die Stillegung ebenfalls ab.
11.06.1990Nach monatelanger Diskussion um einen möglichen Ausbau der Strecke zur Stadtbahn beantragt der Kreisausschuß die Aufnahme der Verlängerung der Linie „66“ nach Lohmar in den ÖPNV-Bedarfsplan des Landes.
Aug. 1990Die Bundesbahndirektion Köln setzt nach Verhandlungen mit der Gemeinde Lohmar das Stillegungsverfahren aus. Lohmar erklärt sich bereit, die Strecke zu bezuschussen. Ein Probebetrieb für 3 Jahre wird überlegt.
17.04.1991Seitens der DB werden die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Lohmarer Firmen hatten keine Frachtgarantie abgegeben.
April und
Mai 1991
Der Eisenbahnclub Rhein-Sieg und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) fordern eine Übernahme der Strecke durch die Rhein-Sieg- Kreis Eisenbahn (RSKE).
ab Mai 1991Verhandlungen zwischen DB, der Stadt Lohmar und der RSKE.
03.06.1991Ab Fahrplanwechsel wird wieder eine V90 statt der Kleinlok eingesetzt.
06.10.1991Für diesen Tag hat der Eisenbahnclub Rhein-Sieg im Rahmen seines Nahverkehrstages in Siegburg erneut eine Sonderfahrt für das „Luhmer Grietche“ genehmigt bekommen.

Historische Fotos

Aggertalbahn – die Strecke

Im folgenden siehst du den größten Teil der Strecke von Siegburg bis Overath aus dem Jahre 1934. Viele der früheren Feld- und Waldwege sind im Laufe der Zeit zu Straßen ausgebaut worden (Beispiel: Firma Walterscheidt in Lohmar).

Aggertalbahn in der Presse

Vor 30 Jahren rollte der letzte Zug zwischen Lohmar und Siegburg (05.06.2024, Rhein-Sieg Rundschau)
Am 1. Juni 1994 endete die Geschichte der Aggertalbahn, besser bekannt als „Luhmer Grietche“. Für Eisenbahn-Enthusiasten ist es ein trauriges Jubiläum. » Weiterlesen

Keine Chance für Wiederbelebung der Zugstrecke durch das Aggertal (10.09.2020, Rhein-Sieg Anzeiger)
Das Luhmer Grietche schien wieder auferstanden zu sein, so mancher träumt wohl nach einem Beschluss im Regionalrat Köln davon, dass nach mehr als 70 Jahren wieder Züge durchs Aggertal rattern. Doch alle Vorstellungen, die Strecke wieder reaktivieren zu können, verwiesen die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses ins Reich der Fantasie. » Weiterlesen

Allianz will Aggertalstrecke Siegburg-Overath reaktivieren (26.05.2019, Rhein-Sieg Anzeiger)
Der Vorschlag liegt auf dem Tisch: die Reaktivierung der Aggertal-Bahnstrecke von Siegburg nach Overath für den Personenverkehr. Mit rund 20 Kilometern Länge führten die Gleise einst vom Endpunkt Siegburg über den Nordbahnhof, über Lohmar, Kreuznaaf, Bachermühle, Wahlscheid und Donrath das Aggertal hinauf. » Weiterlesen

Trasse der Aggertalbahn in Siegburg soll Radweg werden (01.10.2018, General-Anzeiger Bonn)
Die Stadt Siegburg möchte das letzte, noch verbliebene Stück der Aggertalbahn zu einem Radweg umbauen. Dazu hat der Planungsausschuss nun den Weg geebnet. » Weiterlesen

Letzter Abschnitt der Aggerstrecke soll stillgelegt werden (13.02.2018, Rhein-Sieg Rundschau)
Als vor 134 Jahren die ersten Züge über die Aggertalbahn Richtung Osten rollten, wurde Siegburg – mit der 25 Jahre älteren Siegtalbahn und der Rhein-Sieg-Eisenbahn mit Schmalspurverbindungen in den Westerwald, das Bröltal und nach Beuel – zum bedeutenden Bahnknotenpunkt. » Weiterlesen

Deutsche Bahn legt Strecke in Siegburg still (10.01.2018, General-Anzeiger Bonn)
Schon seit zwei Jahren wird das Gleis der Aggertalbahn zwischen dem Siegburger Bahnhof und dem Siegwerk nicht mehr genutzt. Nun wird das letzte Stück der Aggertalbahn in Siegburg still gelegt. » Weiterlesen

Von der Schiene auf die Straße (09.09.2016, General-Anzeiger Bonn)
Nur noch eine Handvoll Unternehmen im Rhein-Sieg-Kreis nutzt einen eigenen Gleisanschluss. Der Transport gilt als zu teuer. Jetzt lässt auch das Siegwerk den Bahnbetrieb ruhen – wegen einer sanierungsbedürftigen Weiche. » Weiterlesen

Letzte Fahrt auf der alten Bahnlinie „Luhmer Grietche“ (27.01.2013, General-Anzeiger Bonn)
1882 kam die Genehmigung, seit Oktober 1884 tuckerte sie unter anderem viermal täglich zwischen Siegburg, Lohmar und Overath hin und her: Die Aggertalbahn. » Weiterlesen