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Samstag, 20. Januar 2018   
Tour de Suisse - die Dritte (03.06.2002) Nachdem die ersten beiden Pfingsttouren in die Schweiz an die Furka-Bergstrecke gegangen sind, hat es uns diesmal in den Südosten der Schweiz verschlagen, dorthin, wo der graue Bund herrscht, nämlich nach Graubünden.

Da Eisenbahnfans bekanntlich sehr gehfaul sind, wurde ein Hotel gewählt, welches möglichst weit von der nächsten Bahnstation weg ist, dies ist das Hotel "Grischuna" in Filisur. Der Weg vom Hoteleingang bis zum nächsten Bahnhofsgleise beträgt sage und schreibe maximal 10.000 mm, also jeden Morgen ein anstrengender Marsch, wenn die Abende lang geworden sind (da der Wirt scheinbar Engländer ist, wurden die Abende nicht zu lang, denn es gab nur wohltemperiertes Bier (Zapfanlage angeblich defekt).



Der Pfingstsamstag war, laut Aussagen von Doc Wietsch, wie alles andere, schlecht organisiert: Es mußten Fahrkarten abgestempelt werden, der Zug mußte selbst bestiegen werden und man mußte sich hinsetzen oder aufstehen, um die Fenster zu öffnen. Es ging dann über die Albulaachterbahn (ich weiß nicht, wie oft wir an bestimmten Punkten immer wieder vorbeigefahren sind) nach Samedan. Hier wurden wir vom Depotchef persönlich erwartet. Er führte uns durch das Depot Samedan, wo etliche historische Fahrzeuge (inkl. einer Dampflok) vom Club 1889 aufgebaut und gewartet werden. Aber auch der moderne Fahrzeugpark wird hier gewartet. Es war sogar möglich, eine E-Lok von unten zu besichtigen). Im benachbarten Depot Pontresina durften wir noch die in den Originalzustand zurückversetzten gelben Berninatriebwagen sowie die Schneefräsen besichtigen. Nach diesem anstrengenden Teil war Bahnfahrten angesagt: es ging über den Berninapass nach Tirano. Hierbei haben wir Winter, Frühling und Sommer erlebt: in Tirano gab es bei hochsommerlichen Temperaturen echte italienische Pizza, Pasta usw.. Ach ja, bevor ichs vergesse: ein sehr freundlicher Triebwagenführer liess uns im Triebwagensteuerstand mitfahren, ein Ereignis, was unseren Obervideoten Wastl sehr erfreute. Jeder Schotterstein wurde von ihm auf Band festgehalten. Nach dem ausgiebigen Spätmittagessen ging es wieder über den Berninapass zurück. Es wurde noch ein kurzer Abstecher nach Sankt Moritz gemacht (Baustelle gleich Großbaustelle), keine Saison, Hotels kaum besucht und keine Prominenten in Sicht, nur die Prominenz des ECRS bevölkerte dieses Örtchen. Abends war dann das obligatorische warme Bier mit Eis angesagt.

Pfingstsonntag hies es fahren, fahren, fahren... Um neun ging es los. Runter ins Hinterrheintal, Umsteigen in Reichenau, Vorderrheintal mit Rheinschlucht bis Disentis. Dort gab es kaltes Calanda, was mundete dies. Zurück durchs Rheintal bis Chur. Auf dem Bahnhofsvorplatz wartete das nächste Reiseerlebnis auf uns. Zuerst als Straßenbahn mitten durch Graubündens Hauptstadt (Herr Krieger sollte sich dies ansehen, um zu erkennen, was alles mit der Bahn möglich ist), dann steiler ansteigend am Hang über Brücken und durch Tunnels, kaum mal ein gerades Schienenstück ging es den Wolken entgegen. In Arosa sahen wir gar nichts mehr, so daß wir postwendend nach Chur zurückfuhren. Von hier ging es über Landquart, Klosters und Da vos teuer ist (Davos) zurück nach Filisur. Zur Erholung gings bergab ins Hotel Rhätia kühles Bier trinken.



Pfingsmontag mußten wir früh los: Um 8.00 Uhr durch die Zügenschlucht nach Davos. Im Bereich des Bärentritts (langer Tunnel- 5 Meter Brücke- langer Tunnel) kam der Lokführer nicht voran, der Zug kroch über diese Stelle, die man sonst nur als Lichtblitz erkennen kann. Von Davos nach Klosters, dort hies es Umsteigen in den Tunnelexpress: es ging durch den Vereinatunnel (längster Schmalspurtunnel Europas) ins Engadin. In Scuol war Entstation, hier hies es Umsteigen in den Postbus: erst einen von den Österreichern, ab Martina dann PTT. Es ging hinauf nach Samnaun (eine der wenigen echten zollfreien Zonen in Europa). Die Nasen und dann auch die Gesicher einiger Leute wurden blass und blässer: entlang an mehrer hunderte Meter tiefe Abhänge und durch Tunnels, wo der Bus so gerade durchpasste (und es war nur ein kleiner Bus: 2,30 m breit und ca. 8 m lang) ging es auf 1850 m Höhe. Dort war billig einkaufen und Mittagessen angesagt. Doc meinte, wir sollten bis auf 8 Sitzplätze alles aus dem Bus herausreissen und Tanks einbauen, denn an der Tankstelle stand: Diesel Liter 0,60 Euro, Benzin 95 Oktan 0,68 Euro. Und unsere Autos standen in Filisur. Also wurde nur Hochprozentiges und Zigaretten getankt, aber nicht zuviel, denn an der Zollstation Martina wurden wir vom Zoll empfangen und ordentlich gefilzt. Leider war keine hübsche junge Zöllnerin dabei, von der hätten wir uns das ja gefallen lassen. Ab Scuol sind wir dann das Inntal mit dem Zug bis Samedan hinaufgefahren, umgestiegen und durch den Albulatunnel nach Filisur.

Dienstag hies es Abschied nehmen: aber auch hier hatte der Reiseleiter für kleine Überraschungen gesorgt: Über die Versamer Dorfstraße ging es oberhalb der Rheinschlucht entlagn zum Oberalppass. In Realp wurde kurz das Depot der Dampfbahn Furka-Bergstrecke besichtigt. Bevor es durch die Schöllenen hinab ins Unterland ging, machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Russland: Es wurde das Suworowdenkmal an der Teufelsbrücke besichtigt. Das Land, wo sich das Denkmal befindet, gehört Russland. Jetzt hies es sich sputen: um 14.oo Uhr wurden wir in Rheinfelden erwartet: es hies die Feldschlösschen-Brauerei besichtigen. Extra für uns war die Dampflok angeheizt worden, ein sehr seltenes Bild, ab lobenswert, daß die Brauerei auf die Bedürfnisse von Eisenbahnfreunden eingeht. Eine Stunde ging es durch die Brauerei hinab und hinauf; über 300 Stufen, aber auf jeden Fall sehenswert. Zum Abschluß ging es in die Brauereigaststätte: es gab eine kleinen Imbiss und dazu Bier. Kalle wäre am liebsten dort geblieben und hätte sich gerne noch ein Quinto oder dunkles Hopfengold einverleibt. Aber leider mußten wir heim. Abends gegen 21.00 Uhr waren wir alle wieder gut zu Hause angekommen.

Es war auf jeden Fall ein Erlebnis.

Uwe Bodenstein

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   Eisenbahnclub Rhein-Sieg e. V. | Gartenstraße 1a | 53721 Siegburg