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Mittwoch, 18. Oktober 2017   
Die Siegtalbahn - eine unattraktive Schwester? Der Westerwald gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Seine Grenzen sind die Flüsse Rhein, Sieg, Lahn und Dill. Seine südliche Grenze bildet die Lahn. An ihren Ufern verläuft die reizvolle und weit über die Region bekannte Lahntalbahn. Der Flussverlauf wurde in der Mitte des 19.Jahrhunderts kanalisiert. Träge fließend berührt die Lahn namhafte Kurorte, so zum Beispiel das mondäne Bad Ems. In den kleinen Dörfern ist noch viel vom Charme der vergangenen Jahrhunderte erhalten geblieben.

Die Sieg hingegen stand stets im Schatten ihrer attraktiveren südlichen Schwester. Die Siegtalbahn ersparte dem Fluss die Kanalisierung. Ihre Wasser fließen wilder und ungestümer. Im Vergleich zum Lahntal ist das Siegtal jedoch weitläufiger. Ortschaften und Bahnlinie müssen sich nicht in das Korsett eines steilen und engen Flusstales einfügen. Die Lahntalbahn ist eine Nebenbahn, die Siegstalbahn hingegen eine Hauptstrecke.



Beide Flüsse waren im mittleren Flussverlauf typische Gewerbeflüsse. So verändert die Sieg ab Au and der Sieg schnell ihr Gesicht. Zahlreiche Bodenschätze wurden gefördert und teilweise vor Ort aufbereitet. Ein großes Netzt an Werk- und Privatbahnen entstand zwischen Wissen und Kreuztal. Nun verläuft die Strecke durch das südwestfälische Siegerland. Bis Au a.d. Sieg sind die Strecke und ihre Anlieger ein Teil des Rheinlandes.

Der Autor Wolfgang Clössner und der Eisenbahnclub Rhein Sieg

Fußball bolzen war sein Ding nicht - Radfahren schon eher. Der gebürtige Bonner liebte Erkundungsfahrten in das damals unbebaute Gebiet zwischen Sank Augustin Menden und Siegburg. Als Beobachtungsobjekt suchte er sich ab dem Jahr 1969 den Siegburger Güterbahnhof aus. So musste eine Eisenbahn für ihn aussehen: keine Oberleitung wie in Bonn oder Beuel. Entlang der Ladestraße konnte man stundenlang einer dampfenden Rangierlok zusehen. Wenn sie zum Siegwerk oder nach Lohmar fuhr, dann radelte Wolfgang voraus. Abends war dann ein langer Güterzug fertig. Mit ihm verschwand die preußische G8 in Richtung Gremberg.

Lokpersonale gestattetem ihm oft Mitfahrten. Nicht wissend, das sie mit diesen Eindrücken seinen späteren Lebensweg, der oft schmerzvoll war, entscheidend prägen sollten. Der Geruch von heißem Lokstahl, Öl und Kohle - wahrgenommen im Fahrtwind auf einer rythmisch hämmernden Dampflok.

Dampflokfreund oder salopp formuliert "-Eisenbahnfutzie-" war Wolfgang Clössner. Sonderzüge mag er überhaupt nicht. "Man stelle sich vor, ich hätte vierzig Jahre lang nur Sonderzüge aufgenommen!" -"Niemanden könnte ich von der Vielfalt des Regelbetriebes berichten". Fotos von Sonderzugfahrten sind für ihn wie Weihnachtsfotos und Urlaubsbilder - aufnehmen und nie wieder ansehen. Für ihn zählen alltägliche Situationen. Zum Beispiel das Bild des Pizza Service. Er bringt dem Fahrdienstleiter sein Abendbrot.

Zusammen mit dem Eisenbahnclub Rhein Sieg erstellt er diese Homepage. Es ist unser gemeinsames Anliegen die vielfältigen Aspekte eines Eisenbahnbetriebes dem Laien oder Fachmann zugänglich zu machen.


Die Siegtalstrecke - Irgendetwas geht immer Text und Bilder von unserem Vereinsmitglied und Eisenbahnfotografen Wolfgang Clössner

Das Lahntal stellt die südliche Grenze des Westerwaldes dar, im Norden begrenzt ihn das Siegtal. Die Strecke Köln nach Siegen gilt als unattraktive Schwester der Lahntalbahn. Ihre langen Bahndämme sind im Laufe der Jahre zugewachsen. Vor dreißig Jahren genoss der Bahnreisende vom erhöhten Zug prächtige Aussichten in die Flusslandschaft. Heute versperren belaubte Lärmschutzwände die Sicht. Regelmäßig folgt auf einen Tunnel eine Brücke über der Sieg. Anschließend Bahndämme bis zum nächsten Tunnel. Doch selbst die Flussquerungen sind bis auf wenige Ausnahmen keinen Schuss mehr wert. Hier einige Beispiele: Neue Alugitter und postmoderne Lampen verschönern den Fußweg der Brücke in Herchen. Die Aggerbrücke, nebst Wasserfall und romantischem Bootsverleih bei Troisdorf, hat Geschwister bekommen. Stromaufwärts die S-Bahn, stromabwärts einen Autobahnzubringer. Die Brücke bei Hoppegarten erhielt einen zeitgemäßen Anbau für Fußgänger und Radfahrer.

Der Strom selber ist dafür kein gerader Abwasserkanal mehr; mit dem Lineal gezogen und zwischen Basaltblöcken eingepfercht. Die Sieg darf wieder Baumwurzeln umspülen - der Blick auf Viele Brücken wächst deshalb weiter zu. Die Liste lässt sich lange fortsetzen, wir kennen das Problem. Zugewachsen, zubetoniert - das Siegtal ist überall.

Für Fotografen ist die Strecke im Sommer wenig einladend. Ab Mitte September wird es interessant. Wenn sich späte Grillwürste mit den ersten Zimtsternen treffen; wenn die Museumsbahn ihre letzten Runden dreht. Für die meisten wird es jetzt Zeit, ihre Kamera in den Winterschlaf zu schicken und die Modellbahn aufzubauen. Ich schicke meinerseits das Spielzeug in den Winterschlaf und aktiviere meine Kamera nach der Sommerpause. Warum ich der Einladung zum eisenbahntechnischen "Ball paradox" folge ist leicht erklärt.

Jeder Fotograf lernt die Bedeutung der Lichtführung. Er bekommt beispielsweise eine Scheibe Toastbrot in die Hand gedrückt und soll sie fotografieren. Fällt das Licht senkrecht von oben auf das Backwerk, dann ähnelt die Brotscheibe einer glatten Gipsplatte. Je flacher das Seitenlicht einfällt, umso besser treten die Konturen hervor. Nimmt man gar ein Makro zur Hand, dann sieht das Toastbrot anschließend wie eine Mondlandschaft aus. Mit den selben extremen Schatten, wie sie auf den Mondfotos der NASA zu sehen sind.

Diese Erfahrung lässt sich auf die Landschaftsfotografie übertragen. Je tiefer die Sonne steht, umso mehr Details hebt sie hervor, umso verspielter ergänzen sich Licht und Schatten. Das Bahnhofsgebäude in Schladern ist im Sommerlicht nur eine strahlend helle Kiste. Die tiefe Herbstsonne sorgt für Konturen und warme Farben. Noch tieferer Sonnenstand leuchtet im Winter sogar in die rostigen Strippenkästen der Signal-Seilzüge hinein. Dann muss man sich, zum Erstaunen der fröstelnden Spaziergänger, auf den Bauch legen. Ein dicker Herbstnebel verdeckt wohlwollend den nicht epochegerechten Wagenpark eines Dampfloksonderzuges. Malerische Brückenkonstruktionen leuchtet die Sommersonne nur ungern aus. Kein Wunder, denn der Schatten der Mittagssonne steht senkrecht unter der Lokomotive.

Ähnliche Motive lassen sich überall finden, es muss nicht unbedingt das Siegtal sein. Es gibt genug angeblich langweilige Strecken, die sich im Winter für den aufmerksamen Beobachter herausputzen. Geringe Fahrkosten, sparsamer Filmverbrauch und ein wenig Arbeit beim Rahmen der Dias. Der Aufwand liegt voll im Trend der Zeit: "Geiz ist geil!"

Früh morgens oder spät abends wirft auch die Sommersonne schöne Lichter, allerdings bei verminderten Farben. Nur: was beginnt man in den zwölf Stunden dazwischen?
   Eisenbahnclub Rhein-Sieg e. V. | Gartenstraße 1a | 53721 Siegburg